Rückblick „23. Musikwochen Weserbergland“ 2010
Zum Abschluss der MWW 2010 wurde Hans Christoph Becker-Foss von Feuilleton-Chefin Julia Marre (Deister- und Weserzeitung Hameln) in einem Interview befragt – die Antworten werden hier zugleich als Rückblick auf eine besonders schöne Konzertreihe veröffentlicht.
Wie waren die Reaktionen auf die Konzerte und die Programme?
Von den Zuhörern wurde immer wieder bewortet, dass das künstlerische Niveau der Konzerte sehr und gleichbleibend hoch war: Mit einigen absoluten Highlights auf Weltklasse-Niveau, als da wären: das Duo Antje Weithaas und Silke Avenhaus (Violine/Klavier) und das LINOS-Ensemble (mit Gustav Mahlers 4. Symphonie im Schlusskonzert). Besonderen Anklang fand übrigens auch der Familien-Nachmittag in Eschershausen mit Kinderchorliedern und Puppenspiel: Niveauvoll und unterhaltend für Groß und Klein.
Wie viele Besucher haben Sie zählen oder schätzen können?
Es waren rund 2.700 Besucher da, etwas weniger als 2009. Allerdings war das Finale in der Konzertscheune Westerbrak mit weit über 500 Besuchern ein tröstlicher, überwältigender Abschluss. Man muss dazu sagen, dass in diesem Jahr deutschlandweit ein dramatischer Konzertbesucher-Einbruch bei Festivals, Theatern und auch etablierten Konzertreihen stattfindet. Vor diesem Hintergrund haben wir keinen Anlass, uns zu beklagen, zumal die Spendenfreudigkeit der Besucher bei uns sehr groß war.
Ist es so, dass in Zeiten, in denen die öffentliche Hand Kulturinstitutionen kaum noch unterstützt, die Besucher bereit sind, mehr zu geben?
Dies scheint tatsächlich so zu sein. Wir haben unsere finanziellen Ziele erreicht, trotz etwas weniger Besuchern als im Vorjahr. Die Einnahmen 2010 waren vergleichbar mit denen von 2009.
Welches waren ihre persönlichen Tops oder auch Flops: Welches Konzert hat Ihnen weshalb besonders gut gefallen, von welchem haben Sie möglicherweise etwas Anderes erwartet?
Ich konnte für mich keine Flops ausmachen. Die Publikumsresonanz lag bei 200 bis 530 Besuchern – der Schnitt lag bei rund 240 Besuchern. Unsere Erfahrung: Die Zahl der Besucher schwankte früher zwischen 100 (bei in der Regel einem der acht Konzerte) und 700 Besuchern. Der Ausreißer nach unten ist seit Jahren verschwunden, die magische Grenze 400 nach oben wird seltener überschritten: Die Dinge egalisieren sich. Mir haben alle Konzerte gefallen, und ich war auch beglückt über die Vielfalt des Angebotenen – wie die eigene Planung im Wochenrhythmus wirkt, kann man zuvor nicht hundertprozentig wissen… Die Folge sehr verschiedener Räume mit sehr gegensätzlichen Programmen und Besetzungen war spannend. Eine ganz persönliche große Freude: dass zu Gustav Mahlers 4. Symphonie zumal in der gänzlich unbekannten (und von manchen kritisch erwarteten) Kammermusikfassung so viele Menschen kamen, finde ich wunderbar. Es war die dritte Mahler-Symphonie bei den Musikwochen (1998: die achte Symphonie „Symphonie der Tausend“, 2000 die zweite Symphonie „Auferstehungssymphonie“). Mitunter ist die viel gescholtene Provinz eben doch für Überraschungen gut und zeigt, dass die Menschen hier ein gutes Gespür für Wesentliches haben. Ob in der Landeshauptstadt so viele Leute in einen Kornstadel gekommen wären, um ein zweistündiges Mahler-Programm zuhören? Ich bin stolz auf unser Publikum! Überwältigend war zudem wieder einmal mehr die Hilfsbereitschaft der ehrenamtlichen Mitarbeiter, ohne die die MWW nicht funktionieren könnten!
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